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Junge Bühne Kiel - "Das Beste an der Kieler Woche"

(Bericht der SHZ/ Eckernförder Zeitung vom 01.07.2010)

Die Ausweitung der "Jungen Bühne" im Ratsdienergarten von sechs auf acht Tage war ein voller Erfolg. Die 90 Auftritte während der Kieler Woche fanden großen Zuspruch, einige sorgten sogar für Rekorde in der Geschichte des Projekts, das vor sechs Jahren gestartet wurde.

"Es ist super stark, was hier passiert", lobte Oberbürgermeister Torsten Albig bei seinem Besuch des Geländes am Schloss, auf dem Partystimmung ohne Alkohol angesagt ist. "Was hier gemacht wird, ist gut." Die jungen Musiker könnten sich "locker" mit denen auf den anderen großen Bühnen der Festmeile messen. Sie zeigten, was sie drauf hätten und belegten, dass die Kieler Woche für jeden einen Platz hat. "Super klasse Theater, super klasse Musik in einer super klasse Stadt", sagte Albig weiter. "Die ,Junge Bühne’ ist das Beste an der Kieler Woche, was es gibt", fand auch Björn May (21) aus Kiel, der nicht nur das Programm genoss, sondern sich auch noch über den Gewinn eines iPods freuen konnte. Und auch für den Oberbürgermeister gab es etwas: einen Ausweis, der ihn zu einem Teammitglied des Projekts macht.

Die Gruppe "Elephant Party", die zu den ersten Bands der "Jungen Bühne" zählt, sorgte für das größte Konzert, das jemals im Ratsdienergarten gegeben wurde. 2500 Zuhörer fanden sich ein, um die Kieler Newcomer-Band zu feiern. "Die Fans hatten direkten Kontakt zu der Band, und Sänger Joey hat mehrmals während des Konzerts die vordere Reihe mit der Hand abgeklatscht und sich beim Finale rückwärts in die Menge fallen lassen. Er wurde von den Fans über den Platz getragen und wieder zur Bühne zurück", beschrieb Burkhardt Richard, Geschäftsführer des Kieler Jugendrings und Motor der "Jungen Bühne" die Stimmung. Um 24 Uhr musste das Konzert wegen der Auflagen beendet werden, zum Bedauern der Zuhörer. "Wir hätten noch locker eine Stunde dranhängen können", so Richard. Für das nächste Jahr sei die Band bereits gebucht - "dann spielen sie zwei Stunden".

Mit 1200 Gästen wurde der Poetry Slam zum größten jemals in Schleswig-Holstein ausgetragenen. Auf der Bühne versammelten sich einige der bekanntesten Slam-Poeten Deutschlands wie der NDR-Comedy-Contest-Sieger Nico Semsrott aus Hamburg und der Performance-Poet Tobi Kunze aus Hannover, der den Wettbewerb letztendlich für sich entschied. Aber auch aus der norddeutschen Slamriege nahmen einige der besten und bekanntesten Poeten teil wie die Local Heroes "Team&Struppi" oder das Kieler Rap-Urgestein "sAziH". Durch den Abend führte gewohnt souverän Björn Högsdal, mit seiner Kulturagentur assemble ART größter norddeutscher Poetry Slamveranstalter und selbst erfolgreicher Bühnenpoet. Über drei Runden traten sich die Poeten in Duellen gegenüber, wobei sie die gesamte Spannbreite der Bühnenliteratur bedienten von stiller Lyrik, über performativen Rap bis hin zu bitterböser Prosa. Per Applauswertung entschied das Publikum nach jedem Duell für seinen persönlichen Favoriten. "Es war ein Traum", berichtete Richard. Die DJs auf der benachbarten Prinzenbühne hätten ihre Musik herunter geregelt, so dass es absolut ruhig im Ratsdienergarten war. "Eine super intensive Atmosphäre", fand Frauke Dohrn vom Amt für Schule und Jugendeinrichtungen. "Wir hatten nicht erwartet, dass es so gut klappt." Eine Fortsetzung dieser Erfolgsgeschichte auf der "Jungen Bühne" ist zur Kieler Woche 2011 geplant.

Den zauberhaftesten Auftritt bescherte Christina Lux, Poetin mit Gitarre, dem Publikum, das eine Stunde an ihren Lippen hing. Den ungewöhnlichsten Beitrag steuerten die "Bionic Ghostkids" aus Berlin zum Programm bei. Ihre Musikrichtung bezeichneten sie als "Screamo". Richard: "Das waren zwei Mann mit Masken, die die ganze Zeit über die Bühne gefetzt sind. Es klang wie ein riesiges Techno-Rock-Orchester. Irgendwie war das, als wenn man ,Kiss’ zum ersten Mal sieht."

Es sei für jeden Geschmack etwas dabei gewesen, war sich Dohrn sicher. Und das belegt auch die Zahl der Besucher, die dieses Jahr bei rund 20.000 lag. "Ein grandioses Programm, das beste bisher", zog Richard Bilanz. Das ist für die beiden und das 40-köpfige Team ehrenamtlicher Helfer jedoch alles andere als ein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen wurde noch während der Veranstaltung angelegt, die bis Dezember, wenn die Bewerbungsphase für die "Junge Bühne 2011" beginnt, fortgeschrieben werden soll. "Nach der Kieler Woche ist vor der Kieler Woche", sagte Richard.

 

 

 

 

 

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